
Alfred Joseph wurde am 3. Juli 1908 in Londorf geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Adolf Joseph, geboren am 19. Juli 1880 in Rüddingshausen, heute ein Ortsteil der Rabenau, und Frieda Rothensis, geboren am 22. Februar 1883 im südhessischen Zwingenberg an der Bergstraße, wo bis 1938 eine jüdische Gemeinde bestand. Im Heimatdorf von Frieda fand am 1. Mai 1907 die standesamtliche Trauung statt. Religiös getraut wurden sie einen Tag später in Gießen von Rabbiner Dr. Sander.1 Alfreds Vater hatte ein Textilwarengeschäft, zunächst in Adolfs Geburtsort Rüddingshausen und ab 1908, Alfreds Geburtsjahr, im Nachbardorf Londorf, das heute ebenfalls zur Kommune Rabenau gehört.
Als Alfred ein Jahr alt war, wurde am 1. Juni 1909 in Londorf sein Bruder Ernst-Albert geboren. Am 6. November 1910 kam Ludwig zur Welt; das Kind lebte nur wenige Stunden. Am 4. August 1912 wurde die kleine Schwester Hilde geboren; der keine Bruder Ludwig Walter, genannt Walter, folgte am 8. September 1914.
Die Joseph-Geschwister wuchsen in einem arbeitsreichen Elternhaus auf : „In der Marburger Straße 1 hatte Alfred [gemeint ist Adolf!2], genannt ‚Tausendschön‘, ein Geschäft mit Stoffen und feiner Konfektion. Er kam meistens ins Haus, während seine Frau Frieda im Laden verkaufte.“3 Aus der Entschädigunsakte von Alfred Joseph ist zu erfahren, dass der Textilwarenhandel florierte und dass Adolph Joseph seine ländlichen Kunden meist mit dem Fahrrad bediente.

(© Amos Levi, Israel)
Alfreds Vater war eine wichtige Persönlichkeit in der jüdischen Gemeinde Londorf, die eine lange Geschichte hatte: „Das Gebiet der ‚Rabenau‘ – zu dem die Orte Londorf wie auch Geilshausen, Kesselbach und Rüddingshauen gehörten – unterstand den Freiherren von Nordeck zur Rabenau. Diese Patrimonialherren hatten schon seit 1650 das Recht zur Judenaufnahme. Da bereits 1722 ein ‚Judenbegräbnis‘ bestand, ist ziemlich sicher, daß um diese Zeit schon eine Judengemeinde Londorf (mit Filialorten) existierte. […] Die Patrimonialrechte der Herren von Nordeck wurden erst nach 1822 aufgehoben.“4
Anfang der 1930er Jahre „lebten in Londorf noch 15 Juden (Familien). […] Die Synagoge in Londorf in der Allendorfer Straße war ein alter Fachwerkbau; der Betraum hatte etwa 80 bis 100 Plätze. Im Erdgeschoß des Hauses war die Lehrerwohnung, und im Hof befand sich die Mikwa. Das Synagogengebäude (3stöckig) wurde vor dem Ersten Weltkrieg renoviert. Die Gemeinde hatte 8 Thorarollen. […] Der letzte Vorsitzende der Gemeinde Adolf Joseph [Alfred Josephs Vater] ist um 1935 nach den USA ausgewandert (er war 16 Jahre lang Gemeindevorsteher. […] Im November 1938 wurde die Synagoge demoliert; die Inneneinrichtung sowie alle Kultgegenstände verbrannten.“5
Als Alfred Joseph in Londorf zur Volksschule ging, war der Antisemitismus latent, konnte aber jederzeit manifest werden: „Für [den Historiker] Jacob Toury ist es unbestritten, ‚daß die Ablehnung der jüdischen Dorfbewohner durch die bäuerliche Bevölkerung, analog ihrer wirtschaftlichen Situation, vom gutmütigen ‚Leben und Lebenlassen‘, über Indifferenz und schweigende Ablehunung bis zur wütenden Verfolgung periodisch mit der Konjunktur schwankte‘. In den hessischen Landen seien die jüdischen Dorfbewohner wohl in einer Außenseiterposition geblieben. Toury gibt folgende Selbsteinschätzung eines jüdischen Historikers wieder: ‚Wir gehörten zum Dorf, und gehörten doch nicht ganz zu ihm.‘ Ein nichtjüdischer Historiker paraphrasiert diesen Befund wie folgt: Die Juden waren ‚im Dorfe, aber nicht vom Dorfe.'“6
An Ostern 1917 trat Alfred Joseph in die Sexta (heute 5. Klasse) der Grünberger Realschule ein. In seiner Klasse waren zwei weitere jüdische Schüler: Manfred Jonas aus Londorf und – ab dem Schuljahr 1918/19 – Hermann Eckstein aus Kesselbach. An Ostern 1923 verließ Alfred Joseph die Grünberger Realschule in Untersekunda (heute 11. Klasse) mit dem „Einjährig-Freiwilligen“-Abschluss, der einem heutigen Realschulabschluss entspricht.

jüdische Schüler: Hermann Eckstein (hintere Reihe, 1. v. l.), Manfred Jonas (mittlere Reihe, 1. v. l.), Alfred Joseph (mittlere Reihe, 1. v. r.) (© Archiv der Theo-Koch-Schule)
Über Alfred Josephs weiteren Weg berichtet seine Anwältin im Entschädigungsverfahren: Nach der Obersekundareife „kam er zur Firma Gebr. Trier nach Darmstadt, dann zur gleichen Firma nach Frankfurt/M. und Mainz. Er erlernte die Eisenbranche und war dann für diese Firma als Vertreter in ganz Europa unterwegs.“7 – Während seiner Arbeit für die Firma Gebr. Trier war er weiterhin in Londorf gemeldet.

Durch seine Reisetätigkeit, so seine Anwältin, bekam Alfred Joseph die Chance zur Flucht vor dem NS-Regime: „Der Antragsteller [Alfred Joseph] […] musste schon kurz nach Machtübernahme feststellen, dass es ihm als jüdischem Kaufmann (Reisevertreter) unmöglich war, in seinem Wohnort zu verbleiben. Er war zum damaligen Zeitpunkt im Besitz eines Besuchsvisums für Holland, welches ihm durch das Kreisamt Giessen erteilt worden war und nachdem ihm am 1.3.34 bei der Fa. United States Oil Company eine Anstellung als Europareisender angeboten wurde, übernahm er diese.“8
Das vermeintliche Zufluchtsland wurde zur Falle, wie seine Anwältin weiter ausführt: „Er hat damals nicht geglaubt, dass eine Ausdehnung des Dritten Reiches über ganz Europa erfolgen würde, sonst hätte er sich sicherlich als Überseereisender anstellen lassen. In jedem Fall gelang es ihm bis zum Jahre 1943 versteckt zu bleiben. Dies war allerdings nur dadurch möglich, dass er vom September 1942 an, also über 13 Monate lang, in einem Hause Berkelaan 4, Ermelo/Veluve (Holland) einer gewissen D. Natte-Hoogland, sich versteckt halten konnte.“9
Die lebensgefährliche Existenz in der Illegalität nahm ein abruptes Ende: „Bei seiner Verhaftung [am 26.] August 1943 vom Sicherheitsdienst wurde er in das Konzentrationslager Westerbork verbracht und kam in eine Strafkompanie, wo er die schwerste Arbeit verrichten musste.“10
Aus dem Sammellager Westerbork erfolgte am 19. Mai 194411 die Deportation nach dem Lager Auschwitz, wo ihm die Häftlingsnummer A 2660 auf den linken Arm aufgebrannt wurde. Auf die Behandlung des Antragstellers im Lager Auschwitz einzugehen dürfte sich erübrigen. Im Dezember 1944 erlitt der Antragsteller eine schwere Lungenentzündung, die sich im Januar 1945 wiederholte.“12
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von Soldaten der Roten Armee befreit. Aber noch waren die Torturen nicht zu Ende: „Zum Zeitpunkt der Befreiung in Februar 1945 befand sich der Antragsteller [Alfred Joseph] im Kankenbau in Auschwitz und wurde von den Russen nach Kattowitz transportiert, wo er in ein Lazarett kam und von da aus weiter nach Czernowitz und in die Nähe von Minsk. In einem grösseren Krankentransport wurde der Antragsteller dann zurück nach Berlin gebracht, um schliesslich in Paris im Juli 1945 im Hospital Bichat zu landen. Erst im Oktober 1945 war er soweit transportfähig, dass er nach Holland zurückkehren konnte.“13
Zurückgekehrt in sein Exilland, ließ sich Alfred Joseph in Rotterdam nieder. Schon bald machten sich die gesundheitlichen Folgen der Lagerhaft bemerkbar: „Sofort bei seiner Ankunft in Holland wurde er von den zuständigen Fachärzten untersucht, die feststellten, dass die Lungen nicht in Ordnung sind und [sic] der Antragsteller zum Schutze der Volksgesundheit in Holland unter die Kontrolle der Rotterdamer Vereinigung zur Bekämpfung der Tuberkulose gestellt wurde.“14
Gezeichnet von der erlittenen Verfolgung, versuchte Alfred Joseph sich im Exilland eine – wenn auch prekäre – Existenz aufzubauen: „Nach vielen Bemühungen gelang es dem Antragsteller dann etwa im Dezember 1945, eine Anstellung als Bürobote zu finden, sodass er ab 1.1.46 endlich eine kleine Tätigkeit aufnehmen komte, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.“15
Doch die Nachwirkungen der Lagerhaft ließen ihn nicht los: „Der Krankheitszustand des Antragstellers verschlimmerte sich in den folgenden Jahr [sic] derart, dass er im 0ktober 1947 nach der Schweiz gehen musste und dort bis 1948 eine Kur mitmachte. Alle hierfür erforderlichen Beträge hat er sich von Bekannten leihen müsssen, da es ihm nicht möglich war, nur irgendwie so viel zu verdienen, dass er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.“16
Das Kurhaus Cademario im Kanton Tessin in der Schweiz attestierte: „2 Jahre war er [Alfred Joseph] im Konzentrationslager in Auschwitz, wo er auf 37 kg. abgemagert ist. 1945 bekam er eine Lungenentzündung, seitdem ist ein Bronchial-Asthma mit Emphysem geblieben. In 4 Wochen ist er damals 31/2kg. abgemagert. Zurückgeblieben war ein starker Krampfzustand, der durch die nervöse Atmosphäre in Auschwitz stark gefördert wurde. Am 1. Mai kam er zur Schlusskonsultation, der Zustand hatte sich etwas gebessert, aber es zeigte sich deutlich, dass das Asthma unbedingt mit den Aufregungen und Spannungen im Konzentrationslager im Zusammenhang stand.“17 – Um Alfred Josephs Gesundheit stand es so schlecht, dass er nur noch leichte Bürotätigkeiten ausführen konnte, bevor er endgültig für erwerbsunfähig erklärt wurde.
Am 22. März 1955 erkundigte sich Alfred Josephs Anwältin nach dem Stand des Entschädigungsverfahren. Der Antrag war im Juni 1950 eingereicht worden, die letzte – hinhaltende – Stellungnahme der Entschädigungsbehörde lag über drei Jahre zurück. Die Anwältin machte Druck: „Der Antragsteller liegt schon eine lange Zeit in einem Hospital in Utrecht. Er musste sich wegen eines Leidens, das er sich im KZ-Auschwitz zugezogen hat, einer Operation unterziehen. Ich bitte, die Bearbeitung der Ansprüche des Herrn Joseph umgehend aufzunehmen und mich evtl. Hinderungsgründe wissen zu lassen.“18
Genau einen Monat später, am 22. April 1955, schrieb die Anwältin: „In der Entschädigungssache Alfred Joseph […] teile ich mit, dass der Antragsteller lt. mir zugegangener Information seines Schwagers, Herrn Leo Levi am 2. März ds. Jrs. an den Folgen eines Lungenleidens , dass [sic] er sich im Konzentrationslager zugezogen hat, verstorben ist. Er ist nicht mehr in den Genuss seiner berechtigten Ansprüche gekommen. Soweit die geltend gemachten Ansprüche vererblich sind, werden diese von den Erben weiter geltend
gemacht.“19
Wie aus einem postumen ärztlichen Attest hervorgeht, hatte Alfred im Jahr 1950 seine Eltern in New York besucht und dort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen:20 „Ich21 habe Herrn Alfred Joseph […] seit etwa 1930 gekannt und ihn auch bei irgend einer Gelegenheit in den Jahren 1930 bis 1933 in meiner Praxis in Giessen a.d. Lahn aerztlich untersucht. Er war danals ein gesunder, kraeftiger junger Mann und, wie er damals sagte, nie krank gewesen. Ich sah Herrn Joseph im Jahre 1950 wieder, als er hier in Brooklyn, NY.
seine Eltern, die in meiner Nachbarschaft wohnen, von Holland aus besuchte. Er zeigte mir seinen Arm mit der eingebrannten Kennunmer A 2660 und den Entlassungsschein vom Konzentrationslager Auschwitz. Er erzaehlte mir, er habe in den Lagern Westerbork (Holland) und Auschwitz mehrere schwere Lungenentzuendungen durchgemacht, die nie ausgeheilt waren und zusammen mit der mangelhaften Kleidung, Unterernaehrung und schwerer koerperlichen Arbeit sein Leiden herbeigefuehrt haetten. Um nicht umgebracht zu werden, sei er stets, wenn er kaum kriechen konnte, zur Arbeit zurueckgekehrt.“22
Eine weitere postume ärztliche Stellungnahme lässt erahnen, wie traumatisch die Erlebnisse im Lager gewesen sein müssen, und gibt einen Einblick in die Überlebensstrategien der Inhaftierten. So schreibt Dr. Ernst Muller aus New York: „Seit dieser Zeit [1945] klagt [Alfred Joseph], dass bei jedem Aufwachen sowohl am Morgen wie nach einem kurzen Nachmittagsschlaf ein ausserordentlicher Schweissausbruch eintritt und damit verbunden Schwierigkeiten, manchmal Unmoeglichkeit zu atmen. […] Die beschriebenen Stoerungen beim Erwachen sind gewoehnlich verbunden mit einer ausserordentlichen Nervositaet und oft mit einem Gefuehl, dass ihm etwas Schreckliches passieren wuerde, einer Art Verzweiflung, wie kurz vor dem Sterben. […] 1944 wurde er nach Auschwitz gebracht, wo er dauernd unter schweren nervoesen Zustaenden litt, bei denen er Sensationen von Taubheit der Glieder und Gefuehle von Nadelstichen in der Haut beschreibt. Er konnte dieses Gefuehl nur dadurch ueberwinden, dass er sich zwang, voellig bewegngslos eine Zeit lang zu liegen. War dies unmoeglich, so fuehrten solche Attacken zu voelliger Bewusstlosigkeit, die nach Erzaehlungen anderer mehrere Minuten dauerten. Er erinnert sich an etwa 20 solcher Attacken in Auschwitz.“23
Auch eine weitere Überlebensstrategie wird deutlich: die Fokussierung auf Äußerlichkeiten, die gerade noch erzählbar sind, um Retraumatisierung zu verhindern: „Herr Joseph vermeidet es absolut ins Detail gehende Fragen ueber das Gefuehl der Panik beim Erwachen zu beantworten“, berichtet derselbe Dr. Muller. „Er vermeidet auch sehr bewusst, die Zeit im Konzentrationslager von 1943-45 zu beschreiben. Man hat aber den absoluten Eindruck, dass die Erinnerungen, die sich anscheinend noch taeglich in den beschriebenen Attacken der Panik wiederholen, fuer ihn so entzetzlich sind, dass darueber zu sprechen neue Panik ausloeseh wuerde. Er beschraenkt sich absolut auf die oben angegebenen Tatsachen der Lungenentzuendungen, die Kaelte im Hospital [minus 15 Grad] und der [sic] sich an die letzte Lungenentzuendung anschliessenden Attacken von Atemlosigkeit.“24
Quellen:
- Hauptliste der Schüler und Schülerinnen der Höheren Bürgerschule Grünberg i. H. (bis Ostern 1914) und Realschule (O. 1914–O. 1926) und Oberrealschule (O. 1926–O. 1938) und Oberschule für Jungen (ab O. 139). Angefangen: Ostern 1910. Beendet mit Schluß des Schuljahres 1938/39 (Archiv der Theo-Koch-Schule).
- 50 Jahrfeier der Oberrealschule zu Grünberg in Hessen. 22.–24. Mai 1926. Gedenkblätter von Oberstudiendirektor W. Angelberger und Studienrat O. Steuernagel, Grünberg i. H. 1926 (Archiv der Theo-Koch-Schule).
- Karteikarte von Alfred Joseph aus der Kartothek des Judenrats in Amsterdam, 1.2.4.2/ 130314292/ Digital Archive, Arolsen Archives.
- Register über jüdische Überlebende II – Liste von Juden in Polen. 1945, Kopie von World Jewish Congress, London London n° 830, 3.1.1/ 78813734/ Digital Archive, Arolsen Archives.
- Entschädigungsakte von Alfred Joseph, Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Best. 518, Nr. 17783.
- Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang, Untergang, Neubeginn. Erster Band, Frankfurt a. M. 1971.
- Arthur Rothmann: Jüdisches Leben in der Rabenau. In: Gabriele Hofmann und Harald Jung (Hg.): 1250 Jahre Londorf. Die Zeit von 1958 bis 2008, Rabenau 2008 (=Schriftenreihe des Vereins für Heimat- und Kulturgeschichte der Rabenau e.V., Bd. 2).
- Hanno Müller: Juden in Gießen. 1788–1942. Hg. vom Magistrat der Universitätsstadt Gießen, Gießen 2012.
- Stefan Gotthelf Hoffmann: Der ‚Nordecker Judenmord‘. Hintergründe zum Tode von Salomon und Johanna Wolf am 3. März 1884. Ein Beirrag zur Familiengeschichte des Schriftstellers Friedrich Wolf (1888–1953). Band 1 von 2, Gransee 2022.
- Hanno Müller: Juden in Rabenau. Geilshausen, Kesselbach, Londorf, Rüddingshausen. Jüdische Schüler in Grünberg, Lich 2023.
- https://www.alemannia-judaica.de/zwingenberg_hp_synagoge.htm (zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2026).
- https://collecties.kampwesterbork.nl/entiteit/transport 19 mei 1944 – auschwitz (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2026.)
- Nach Müller (2012), S. 55, stammte Dr. Sander aus Kurnick/Schrimm in Posen, „war Nachfolger von Dr. Benedikt Levi als Rabbiner der liberalen israelitischen Gemeinde [Gießen], betreute von 1933 bis zu seinem Tode auch die Mitglieder der orthodoxen israelit. Gemeinde, war Provinzialrabbiner […]. Er wohnte in Landgrafenstr. 8 […] und starb [1939] in der Chirurgischen Universitätsklinik“. ↩︎
- Rothmann verwechselt offensichtlich Vater [Adolf] und Sohn [Alfred]. Auch seine Angaben zu den Kindern sind größtenteils unzutreffend: Walter wird als Ältestes der vier Kinder genannt, während er in Wahrheit das jüngste ist. Ernst-Albert, das zweite Kind, wird fälschlich Karl-Heinz genannt. Hilda ist korrekt als drittes Kind benannt. Irrtümlich wird noch eine weitere Tochter vermutet, „Name unbekannt“; Rothmann, in: Hofmann u. Jung (2008), S. 97. – Hanno Müller (2023), S. 63, vermutet als Ursache für die fehlerhaften Angaben „Irrtümer der Zeitzeugen.“ ↩︎
- Rothmann, in: Hofmann u. Jung (2008), S. 96. ↩︎
- Arnsberg (1971), S. 499. ↩︎
- Ebd., S. 500. ↩︎
- Hoffmann (2022), S. 51. – Zitiert wurde aus: Jacob Toury: Antisemitismus auf dem Lande. Der Fall Hessen 1881–1885. In: Studien zur deutsch-jüdischen Geschichte. Hg. von Monika Richarz und Reinhard Rürup, Tübingen 1997, S. 173–188, hier S. 174 u. 187 f. ↩︎
- Entschädigungsakte Alfred Joseph, Bl. 43. ↩︎
- Ebd., Bl. 15. ↩︎
- Ebd. – Am 22. September 1950 erklärte Alfred Joseph unter Eid, „dass ich von August 1942 bis zu meiner Verhaftung durch den SD im August 1943 in Holland illegal gelebt habe. Als Nachweis hierfür gebe ich an, dass ich nach der Besetzung Hollands durch die Deutschen zum Schutze meines Lebens genötigt war, illegal zu leben. Nur durch die Güte von mir wohlgesinnten Personen war dies möglich und dies kann bezeugt werden von Frau D. Natte und Frau Luinge, beide Damen sind wohnhaft Berkenlaan 4,Ermelo (Veluwe) Holland.“ (Ebd., Bl. 24) ↩︎
- Ebd., Bl. 15 ↩︎
- Dabei handelt es sich um den sogenannten „
Zigeuner-Transport“ mit 698 Personen, von denen 453 jüdische Häftlinge und 245 Sinti und Roma waren. Dies ist vermutlich die einzige Deportation, die gefilmt wurde. Das Foto von dem Mädchen, dessen Gesicht zwischen zwei Zugtüren eingeklemmt ist, wurde zum Symbol für die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden. Später stellte sich heraus, dass es sich bei dem Mädchen um eine Sinteza handelt. Vgl. https://collecties.kampwesterbork.nl/entiteit/transport 19 mei 1944 – auschwitz (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2026.) ↩︎ - Ebd., Bl. 15 f. ↩︎
- Ebd., Bl. 16. ↩︎
- Ebd. ↩︎
- Ebd. ↩︎
- Ebd. ↩︎
- Ebd., Bl. 96. ↩︎
- Ebd., Bl. 27. ↩︎
- Ebd., Bl. 34. ↩︎
- Frieda und Adolf Joseph waren mit dem jüngsten Sohn Walter im März 1935 nach Gießen umgezogen. Im März 1937 waren sie nach Palästina ausgewandert und von dort 1946 in die USA ausgereist. – Alfreds jüngerer Bruder Ernst-Albert und seine Schwester Hilde – beide hatten die weiterführende Schule in Grünberg besucht – mit ihrem Ehemann Leopold Levi aus Rülfenrod waren bereits 1928 bzw. 1937 in die USA ausgereist. ↩︎
- Bei der Ärztin handelte es sich laut Müller (2012), S. 536, um Dr. med. Margarethe Rothenberger, geb. Nathan. Sie war 1894 in Darmstadt geboren worden, hatte in Gießen Medizin studiert und im September 1920 den Gießener Rechtsanwalt Eugen Rothenberger geheiratet. Bis Sommer 1933 war sie in Gießen als Ärztin zugelassen. Das Ehepaar Rothenberger emigrierte mit den beiden Kindern in die USA. Seit November 1936 war Margarethe Rothenberger im Staat New York als Ärztin zugelassen. Ihre Praxis war in Brooklyn, New York. ↩︎
- Ebd., Bl. 9. ↩︎
- Ebd., Bl. 99. ↩︎
- Ebd., Bl. 101. ↩︎
